Keinesfalls ein Barbarenkönigreich : Präromanik in Asturien

Internetlink: Präromanik

Immerhin fünf dieser Bauwerke können wir besuchen. Die wichtigsten natürlich in der ehemaligen Hauptstadt Oviedo: Die Camara Santa als Teil der heutigen Kathedrale, San Miguel de Lillo und die großartige Königshalle von Ramiro I. und seinem Sohn Ordoño I. (beide regierten nacheinander v. 842 bis 866), die hier auf dem Foto zu sehen ist. Daneben besichtigen wir auch Kirchen aus der Spätepoche der Präromanik (866 -910), die etwas abseits des Weges liegen: San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca. Beide Kirchen, die eine feudal und großartig, die andere eher bäurisch und gediegen, verfügen über erhaltene Wandmalereien aus der Epoche und lohnen gleichfalls einen Besuch.

Wären die Könige doch in den Bergen geblieben? Als der Adel in der Enge seines Gebirgstales saß, da war er noch nicht so stolz und hart. Erst als Castilla entstand, das Land der Burgen, und der Adel auf der Hochebene die Nase noch höher reckte, da wurde aus Asturien Spanien. Die Trasgus blieben schön zu Haus. In den Bergen. Und welche Xana mochte sich auf das Trockene des hohen und heißen Landes begeben? In den Burgen gab es keine Kornspeicher!

Zu lange bin ich durch den Gegensatz des großartigen Emirats/Kalifats Cordoba davon ausgegangen, daß das Königreich Asturien aus ein paar befestigten Gebirgsdörfern bestand, die das Glück hatten, daß die Mauren kein Interesse an den Bergen hatten. Die Artefakte dieses "Barbarenkönigreiches" überzeugen mich davon, Asturien als frühmittelalterliches Königreich in einer spätrömischen Kulturtradition zu betrachten: Hier findet sich eine Vorform der Romanik, die in ihrer Harmonie und Stilkunst Bewunderung erregt und von europaweiter Bedeutung ist, d.h. es gibt nichts Vergleichbares. Noch sind die Bauwerke nicht romanisch, wie wir es im Sinne des Hochmittelalters verstehen, sondern in ihren Stilformen noch spätantik und römisch. Hier haben keine Barbaren gebaut, sondern Leute, die seit Jahrhunderten ihr Handwerk verstehen. Medaillons in identischer Ausführung verraten Manufakturen, die Stilelemente für Bauwerke in großer Stückzahl fertigen konnten. Durchbrochene, filigrane Fenster sind aus einem Stein gefertigt. Das wenigste ist auf uns gekommen: 100 Nachweise für Gebäude aus der asturischen Ära (722 - 912) haben sich gefunden, aber nur 14 Monumente stehen heute noch.

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