Leben auf dem Jakobsweg

Nach dieser großen Flut kleckern in den nächsten drei Wochen nur mal ein oder zwei Pilger in den frühen Nachmittagsstunden vorbei, einen großen Ansturm wie in den Sommermonaten auf dem Hauptweg, der hinter den Bergen über die Meseta führt, erleben wir nicht. Sonst müßte ich ja den ganzen Tag "Ultreia, suseya!", den alten Pilgergruß rufen. Für uns ist der Pilgerweg heuer nur ein guter Wanderweg in beide Richtungen, der uns in die Stadt oder raus in die Natur führen kann. Annette hält allerdings schon nach einem Pilgerführer vom Nordweg des Camino de Santiago Ausschau.

Ganz recht so, fahrt mal wieder nach Asturien. Ich habe mich inzwischen hier in Halle umgeschaut. So eine große Stadt, und es gibt keinen einzigen Kornspeicher. Was ist dies nur für ein Land? Übrigens, und auch wenn es die Asturier anders behaupten, kamen die Pilger nur in der Anfangszeit der Jakobspilgerei durch Asturien und besuchten als Zugabe die Reliquien in Oviedo. Zu uneben und beschwerlich waren die Pfade im Gebirge. Lieber nahmen sie den bequemen Weg auf der alten Römerstraße von Burgos über León nach Compostela.

Internetlinks: Jakobsweg in Asturien

Bevor ich es vergesse: Gleich nach unserer Ankunft, auf dem ersten Spaziergang zu den "Höllenklippen", der Steilküste, sehen wir einen Stein mit einer Jakobsmuschel. So etwas kennen Annette und ich von unserer Pilderwanderung nach Santiago de Compostela. Sollte hier direkt beim Haus der Nordweg des Camino de Santiago entlang laufen? Es wird am nächsten Morgen bestätigt: Wir sind gerade bei den Frühstücksvorbereitungen, da kommt eine große Gruppe vorbeigewandert. Etwas grotesk: Dahinter rollt ein Geländewagen als Begleitfahrzeug mit Wanderstab und Kürbisflasche am Heck, Lautsprechern auf dem Dach, das Pilgern laut anpreisend. Hinter dem Auto schleppen sich zwei, drei fußkranke Nachzügler, dann ist der Spuk vorbei.

Startseite * Seite 1 * Seite 2 * Seite 3 * Seite 4 * Seite 5 * Seite 6 * Seite 7 * Seite 8 * Seite 9 * Seite 10 * Seite 11 * Seite 12 * Seite 13 * Seite 14 * Seite 15 * Dank, Quellen und Impressum